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Samstag, 11. Mai 2019

Old Music Bimmelbahn

Sind zunehmende Verspätungen untrügliches Zeichen für das herannahende Ende? - Dann wäre dieser Blog allerdings ein geradewegs hysterischer Apologet desselben. Wo mir seit Jahren nur noch Jahresbestenlisten glücken, blieb selbst diese Routine im vergangenen Jahr aus, daß ich mich in diesem Jahr erst im Mai zurückmelde, fällt da wohl kaum mehr ins Gewicht. Ist das nicht eh der ideale Jahresbestenlistenmonat?

Im Versuch an einer Übung, die ich, dann Münchausenpirouette nennen werde, fällt mir die Begründung für das Ausbleiben einer Liste für das Jahr 2017 leicht: Mir gefiel kein Album gut genug.
Erst irgendwann im Verlauf des letzten Jahres entdeckte ich die digital-only (sagt man so?) Veröffentlichung:
Astralplane - Redevout 
Eine recht klassizistische, progrockige Musica Popular Brasileira Platte deren Retro-Gestus von der sensiblen Inspiriertheit der Band aufgefangen wird.

2018 

- kam mir das Ende dann aber zuvor, mit der Ausgabe vom 9. März 2018 beendete der NME sein Dasein. Der New Musical Express war seit 1952 Chronist der meisten aller Triumphe und Niederlagen der Musik, welche alsbald die Massen verzaubern sollte. Doch worüber gab es auch noch zu schreiben und wofür sollte man lesen? In der Zeit kann man auch eine Netflixserie über die 80er sehen und eine bestellte Pizza verspeisen. Am 23.12.1978 hockte ein introvertierter, wenn nicht gar bedrückter PiL Chef John Lydon auf einem der ersten Farbcover des NME, welches den Schriftzug debütierte, der sich meiner Generation als Logo der Zeitschrift einprägen sollte. Irgendwo in einem Vorbei und Mittendrin, in neuen Anfängen und einem nicht erahnten Füllhorn an Ideen schien die Zeit für einen Moment anzuhalten, der Zorn der letzten Jahre verstummt und einer Magie des Ungewissen gewichen. Ich weiß nicht wann es aufhörte, wann es begann, sich gemacht anzufühlen. 1986 vielleicht oder erst 1989, 1992? Irgendwann um 2008 schien mir ein neues Licht zu glimmen, eine zarte Idee zukünftiger Musik jenseits der reinen Vergangenheitsbewältigung. Wenig blieb vorerst davon, doch immerhin bot 2018 wieder einiges an interessanter Musik, manche auch von einer aufmerksamkeitserregenden Missgestimmtheit. Ich fühle mich nicht so falsch dabei, in ein Nichts herein zu flüstern, scheint doch die Musik nichts anderes zu tun. Auch wenn sie sich zum Tanz erhebt. Ich habe mich entschieden noch nicht genug zu haben. Mache mir kaum Illusionen, daß einstige Zeiten zurückkehren können, keine Straßenfeger mehr. Aber ich werde die Augen und Ohren offenhalten, das bin ich nicht zuletzt John Lydon schuldig.

Pistol Annies - Interstate Gospel
Als Crosby, Stills and Nash einer tristeren Zeit bezeugen die Drei zumindest eindrucksvoll die Kraft des Miteinanders. Das Resultat sind enorm dichte, aufrichtige und wohl durchdachte Songs.

Ana Silvera -  Oracles
Die sparsamen, mitunter an Bartoks Bearbeitung volksmusikalischer Themen erinnernden Arrangements tanzen gleich Laub im Herbst und interessieren sich nicht für eine Grenze zwischen Singer-Songwriter- oder Ernster-Musik.

Kaia Kater - Grenades
Der wahre Zauber liegt nicht in ihrem exzellenten Banjospiel, sondern in einer Ausnahmestimme, ein sanfter leicht nasaler Sopran, der stets eine Eigendynamik zu entwickeln scheint, in tiefe Töne abgleitet und von Kater mit sanfter Geste eingefangen wird.

Timo Blunck - Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?
Tatsächlich ist es der Soundtrack zu seinem gleichbetitelten Roman einer Lebenskrise. Ganz im Alleingang spielte er erstaunlich sinistre, oft americana-geprägte Songs ein, rauher, als man es von einem Steely Dan Perfektionisten vermuten mag.

Chris Dave and Drumhedz - Chris Dave and Drumhedz
Wenn Tweet in ihrem klaren Sopran „Time and space stand still“ singt, trifft einen der Moment inmitten eines rauschhaften, an die Grateful Dead erinnernden Strom von Tönen, gleich einer Offenbarung.

Artwork: Dies Caya

Sonntag, 3. Januar 2016

Die Stille dieser Straßen - Musikliste 2015




Nichts ist, wenn die Zeit anhält. 
Die Grausamkeit, so liesse sich einwenden, liegt darin, daß die Welt sich einfach weiter dreht. Oder ist es andersherum? Die Grausamkeit ist die Veränderung? Fast spielerisch konnte man seine „will never die“ Popgewissheiten in den vergangenen Jahrzehnten verschwinden sehen. Oder man konnte auch einfach weitermachen, Pop stellt sich nicht in den Weg. Lustigerweise wäre somit im „Einfach Weitermachen“ der Wandel schon manifestiert. Weitere Bands werden zu ihrem 20sten gratuliert und scheinen nicht ansatzsweise so fern, wie Elvis 1975. Die recht sanften, aber wenigstens spürbaren Wellen der letzten Jahren verflachten, so kam es mir vor. 

Die Grimes LP enttäuschte mich enorm bei ihrem Versuch, eine vakante Madonna Stelle per Initiativbewerbung besetzen zu wollen. Julia Holter strandete in ihren tollen Stücken über Ertrinkende an den Gestaden Burbanks, ganz allein, niemand, der ihr die Hand reichte, sie mitnahm, auf die Wine Street etwa. Die weltoffizielle Platte des Jahres von Kendrick Lamar erschien mir als opulentes Hörbuch mit einer durchaus beeindruckenden Soundkulisse, vielleicht wirklich etwas Neues, nach dem Songformat. Oder doch auch die Untiefen eines Konzept-Doppelalbums? In den Momenten, die ich es am meisten mochte, dachte ich an D’Angelo und sein wunderbares, in den letzten Tagen des (nun vor-)letzten Jahres eher unterschätztes Werk. Wäre nicht Kamasi Washington dann ganz in der Nähe? Washingtons Werk überschreitet für mich ganz bewusst eine Grenze zum Gestern, einem fiktiven, ja idealisierten Gestern, eigentlich eine Science Fiction Parallelwelt, aber zugleich komplett Retro: Sun Ra und Coltrane im Geist Isaac Hayes - ach, hätte es das doch gegeben. Ich mag allerdings mittlerweile die offenen Enden der Pop-Geschichten, die Enttäuschung des Unerfüllten und verlor doch auch mal den Glauben an Retro, was mir nach einer von Revivals mitgeprägten Jugend, auch gestattet sei, so hoffe ich. 

Komisch, 2014 war in den Erwartungen enorm präsent, aber auch mit seiner Musik. Vielleicht war die Mr. Twin Sister LP doch der ganz große Wurf, frage ich mich heute, ein Jahrzehntwerk gar? Die offensichtlich Freiräume erarbeitende FKA twigs LP überstrahlte das möglicherweise langfristiger wirksame Album. Ein wenig um eine Wiederholung dieses Effekts zu vermeiden, habe ich die Kategorien geändert. Aber auch, weil es so wenige Alben gab, die mich begeisterten, aber auffällig viele Mini LP’s / EP’s. Vielleicht ist „M3LL155X“ FKA twigs bisher größte Leistung und  wird doch im klassischen Formatdenken übersehen. So übersehen wie diese stille, mit Klischees brechende LP von The Internet. Ein sehr zartes Drängen in die Zukunft, denke ich heute, vielleicht erkenne ich im kommenden Jahr dann den Quantensprung. Wäre schön, wenn es  diese Freiheit gäbe und diesen Lichtblick im nun vergangenen Jahr.

Weitere Lichtblicke waren für mich vor allem in Randbereichen des R&B: die Trancezustände in der Vergangenheitsbewältigung bei Ibeyi, der unfassbar starke Auftakt von Miguels R&B + Rock Fusion (und auf Albumlänge dann leider der enttäuschende Rest), die Singer-Songwriter Lässigkeit von Lianne La Havas und Zukunftsvisionen von Kelela und Nao, sowie Boz Scaggs Erinnerungen, die mich in einigen Momenten kritisch daran erinnerten, was eine Stimme und ein Song vermögen. Die anderen Sachen, die mir zusagten, blickten meist durch Kajalaugen auf diese Welt.

Bliebe Charles Aznavour, vielleicht werde ich die enorme Kraft seines Albums in kommenden Jahren verstehen, sein Schritt, neues zu wagen, selber zu arrangieren und seine aktuellen Konzerte fast nur mit dem neuen Material zu bestreiten, macht so viel Mut, wie seine Radiosingle mich traurig stimmte, eine Traurigkeit, die mir nicht zusteht, aber die er einem schenkt, um zu sagen, daß es sich auch deswegen lohnt, dieses Leben zu lieben. Hinein in eine Welt, in der diese Liebe offenbar schwindet.

Bleibt das Staunen in der kleinen Kammer namens Pop.
























LP

. The Internet - Ego Death

.. Boz Scaggs - A fool to care

... Helen - The original faces

.... Lianne La Havas - Blood

..... Sexwitch - Sexwitch

...... Init - Two pole resonance


Mini LP / EP

. FKA twigs - M3LL155X

.. Lower - I’m a lazy son… But I am the only son

... Kelela - Hallucinogen

.... Nao - II - MMXV

..... Tropic of Cancer - Stop Suffering





















Single

. Charles Aznavour - Avec un brin de Nostalgie

.. Ibeyi - River

... Mr. Twin Sister  - The erotic book

.... Jessy Lanza, DJ Spinn & Taso - You never show your love

..... I.F.O.: "Nibiru" [featuring Afrika Bambaataa]


Songs

. Miguel - A beautiful exit

.. Miguel - DEAL

... Miguel - The valley

.... Schonwald - Lux

..... Beach House - Space Song

...... Jam City - Unhappy





Dienstag, 27. Januar 2015

Nach der Zeit - Musikliste 2014

Es war dann auf einmal keine passende Zeit, sich mit Musik zu beschäftigen, ist es vielleicht immer noch nicht. Aber das war es nicht allein, wollte über das Jahr noch ein paar Worte verlieren und suchte nach den Richtigen. Ich würde immer noch suchen, aber es muss ja auch mal gut sein.

LP's

1. FKA twigs - LP1

2. Mr. Twin Sister - Mr. Twin Sister

3. David Crosby - Croz

4. Fear of Men - Loom

5. Sean Nicholas Savage - Bermuda waterfall

6. D’Angelo and the Vanguard - Black Messiah

7. Lydia Ainsworth - Right From Real

8. Paco Sala - Put your hands on me

9. Warpaint - Warpaint

10. Serge Fiori - Serge Fiori

11. Valis - The demolished man

12. Arca - Xen

13. Zara McFarlane - If you knew her

14. Felizol & The Boy - Like Cannibal Father Like Cannibal Son


Ausser Konkurrenz: These New Puritans - Expanded - Live at the Barbican


Singles und EP's

1. Future Brown - Wanna party

2. New Jackson - Of a thousand leaves

3. Oceaán - The Grip EP

4. Evy Jane - Closer EP

5. Clarian featuring Jess Cardinal - Mirror of The Sun

6. Dum Dum Girls - Rimbaud Eyes

7. September Girls - Veneer EP

8. New Jackson - Having a Coke with you

9. Powell - Club music

10. Viet Cong - Cassette EP

11. Golden Teacher - Party People

12. Crooked Man - Undigitize EP

13. Shield Patterns ‎– Dust Hung Heavy

14. Shift Work - Scaled to fit EP





 










 Just get so high and stop your doubting

„Vinyl Sales Hit Record High in 2014“ titelte die Times zu Beginn des Jahres. Klar, vielleicht nur ein modischer Trend, doch gibt es zumindest zwei gute Gründe, mehr zu vermuten. Zum einen ist der finanzielle Aufwand einer Schallplatte guten Klang zu entlocken weit geringer, denn bei einer CD, deren Datenreihen während der Rückverwandlung in analoge Gestalt vom nervigen Zerren digitaler Taktfehler aus dem Fluss gebracht werden. Jedoch, wen interessiert’s, wer setzt sich heute noch ins Stereo-Dreieck? Diese Ära endete in der Popkultur circa zu jener Zeit, als sich Electro Voice aus dem Consumer-Bereich zurückzogen und Flokati-Hörräume mit Bodensitzgelegenheit von den Hifi-Messen verschwanden. Doch da wäre noch Grund zwei: der Fetisch, die versuchte haptische und optische Entsprechung der Klänge.

Schlichtes weisses Standard-Lochcover, schwarze, gefütterte Innenhülle, auf dem weissen Label in grobem Courier nur das Wort „Twigs“. Die perfekte Anlage des Jahres 2012,  bei aktuellem Kurs könnte sie mit jährlichen Zinssatz von 300%. aufwarten. Natürlich nur fiktiv, keine Ausschüttung, wird eh behalten, Fetisch-Objekt? -Vielleicht.
Sich im Angesicht der Frage, wer oder wie man so sei, selbst als Objekt zu betrachten, war bislang FKA twigs maßgebliches Experiment. Mehr ein suchender, als denn rein ästhetischer oder spekulativer Ansatz, daher auch interessant. Und neu, denn lediglich spielerisch traf im Cyber-R&B der späten 90er ein wachsender Strom digitaler Daten auf Bilder des Körpers, schuf cellophanartige Transformer aus gepixeltem Wunderzeugs oder aus Matchbox-Blech. Doch seine, mitunter rustikal gemorphten, Stimmen sangen Statements und in ihnen war wenig Raum für Fragen, jenseits von Aaliyahs: „Are you responsible?“. Wohin sie uns auf der Suche nach der Antwort noch geführt hätte, werden wir leider nie wissen, aber als Aaliyah „Rock the boat“ einspielte, war bei ihr die Idee einer futuristischen Musik längst dem Spiel mit weit klassizistischeren Yacht-R&B gewichen, immerhin: es klang wundervoll.

Nein, ganz neu ist es dennoch nicht. Eigentlich singt FKA twigs aus einer Welt, die Pop erstmals mit Essra Mohawk in der Melancholie von „Primordial Lovers“ betrat, als übernächtigte Hippie-Grazie, grübelnd, welche Form sie wohl annähme, wenn sie sich als Objekt einer Sehnsucht, eines Verlusts oder einer Erfüllung vorstellt. Welche Beziehungen und Abhängigkeiten entstehen?
Vielleicht gibt es eine noch ältere Quelle mit „I only have eyes for you“ in der Version der Penguins. Ihre psychedelische Vision des Verliebtseins als sensuelle Entgrenzung fand aber im erdigen R&B kein wirkliches Echo. Soul widmete sich Jahre später auf seine Weise dem Thema, existenzialistischer, als organisches Blühen oder selbstgewisses Leiden. Dagegen hier nun das Artifizielle: der Kopf der Künstlerin als Töpferarbeit vor monochromen, aus dem „Water me“-Video vertrauten Blau. Nicht ganz makellos aufgrund der handgefertigen Oberfläche oder ist es doch nur die verletzliche Haut, rot eingefärbt, Make-Up und Brandfarbe der Keramik, alles gleichsam Wundmale?
Dem Album liegen vier Kunstdrucke bei, in denen Jesse Kanda Twigs’ Antlitz manipuliert, als sei er der grausam begeisterte Nachbarsjunge Sid aus Toy Story. Die Drucke scheinen wie kolorierte Analogien auf Twigs gemorphte Stimme im Sound der Produzenten. Kandas Antwort auf Aalyahs obige Frage wäre wohl: „No, potentionally not responsible.“ Aber das muss so sein. In diesem nicht befriedeten Miteinander findet FKA twigs ihren Ort, ob nun als reiner Klang oder verletzlicher Mensch und zelebriert zwischen diesen Polen ihre Transformationen in unbekanntes Terrain.
Identitätslos, als düstere Männerphantasie, exploriert Twigs’ Produzent Arca auf seiner ersten Solo LP die Verwandlung als Mutation, hier passen Kandas Bilder noch besser. Arca spielt mit dem Vorgefundenen, ohne sich dabei in eine Relation setzen zu müssen - der schreckliche Nerd vor dem Laptop? 


Dies bedeutete 2014, den R&B nach über 70 Jahren 
aus seiner Rolle als Funktionsmusik zu befreien.
 
Demhingegen war die weibliche Stimme im R&B stets prekär. Sie proklamierte einst eine Unabhängigkeit von der Kirche, von der entrückten Gospelstimme und ihrer energetischen Version des Belcanto. Jenseits althergebrachter Regeln eroberten La Vern Baker oder Ruth Brown groovig dröhnend, kieksend und fauchend eine Freiheit, die vielleicht weniger wagte, als manche Blues Sängerin der 20er. Allerdings war aus der im Leben stehenden Erwachsenen, ein aufmüpfiges Teen- oder Twen-Girl mit Aussicht auf Star-Ruhm geworden. Diese eroberten Möglichkeiten weiterzuspinnen und just den vor einigen Zeilen weiter oben abgewickelten Faden der Penguins wieder aufzunehmen, hieß anno 2014, den R&B nach über 70 Jahren aus seiner Rolle als Funktionsmusik zu befreien. Es war seit dem BeBop stets Vorrecht des Jazz, später dann des progressiven Rocks und vereinzelt des Souls, nicht zum Tanze aufzuspielen. Nun fordert R&B das reine Zuhören. Ja, stillsitzen im Stereodreieck, den dreidimensionalen Sounds und der meist hoch emotionalisierten Stimme folgen, hören, was sie zu sagen hat. Wenn auch wahrscheinlich nicht aus den Hörnern und Tweetern alter Electro Voice Lautsprecherboliden.

Und dann lassen sich die abgedruckten Texte nicht entziffern? Das Scheitern am Schriftgrad hat Methode, es verführt zur Verwendung der beigelegten Lupe. Im virtuellen Spiel mit den gebündelten Lichtstrahlen fährt die fetischisierende Sammellinse irgendwann von den Worten zu den Details der Portraitphotos. Ohne mehr über die Substanz des Gesichts in Erfahrung bringen zu können, simuliert die Lupe dennoch weitere Verformungen und vollendet die Metarmophose des Zuhörers in einen verstohlen obsessiven Otaku-Charakter. Musik, Grafik und Fetisch als entlarvendes Kinderspiel, der übliche Sündenfall.
Am Rand der Lupe, im gewohntem Courier: „I love another, and thus I hate myself“. Twigs’ in „Preface“ choralgleich intonierte Absage an Descartes - und an Dich. Es sei, Du wärst der Andere. - Im Video von Lucki Eck$ „Ouch ouch“ ist der Andere jedoch eine kleine Schlange in Twigs Schlafzimmer. Nichts geschieht, ausser, daß die Justine des Bedroom Souls dem Anliegen des Otaku-Fetischisten nicht ganz entspricht, kein Apfel wird verspeisst. Der identifikatorische Charakter der Musik bleibt dem verdinglichenden Begehren verborgen. Beim Konzert waren dann Beide zugegen, die Gaffer und jene, welche die Texte Wort für Wort mitsangen.


Demgegenüber der Diskurs, 
der Identifikation nicht schafft, 
sondern dekonstruiert.
 
Mit Twigs bleibt Pop eine Kommunikation, die Verwirrung stiftet. Wer sind die Hörer, wer kauft da Platten? Reden wir miteinander? Und was machen wir aus dem Anderen, der Schlange wegen der wir uns verzehren und hassen? FKA twigs stellt ihre Fragen biographisch oder zumindest psychologisierend. Begehren und Identität werden verformt, geprüft, neu formuliert. Sie legt nah’, sich mit ihrer Suche zu identifizieren, sich drauf einzulassen, sich verwandeln - die alte Pop-Forderung und Verheissung.
Demgegenüber der Diskurs, der Identifikation nicht schafft, sondern dekonstruiert. Dean Blunt und Fatima Al Qadiri fanden sich in diesem Jahr an der Spitze einiger hochrangiger Listen. Ihre diskursive Verwertung angeignetem und weiterverarbeitetem Materials erzählt von einer Freiheit und einem Dagegen nach der Rock-geprägten Ara der Popmusik. Nicht als Strom aus Geräuschen, sondern sehr wohl als hochcodierter Song, aber jenseits des Appells, irgendwo unbedarft mitzumachen, entsteht als Appropriation sowie im Abarbeiten an 90er R&B, Grime und aktuellem HipHop, die Klang gewordene Fusion von Cultural Studies und High Art Ideen der Subversion. Was in den 90ern noch probte, vielleicht irritiert von nicht abzulegenden Rock-Posen oder der Freude am Track, hat sich nun manifestiert.

Faitma Al Qadiri ist auch Mitglied der Avant Streetwear Ikone Future Brown, deren „Wanna Party“ sich mittels Tinks Rap sogar eine schnoddrige Aggression leistet. Future Brown und andere halb virtuell agierende Bandprojekte sind die Zukunft. Politischer als ihre Vorgänger, fast wie eine Rekapitulation des Ansinnens von Heaven 17, aber fern deren Altherrengestus. Seltsam, wie D’Angelos Wiederkehr nach 15 Jahren eine alternative, aus der Zeit gefallene Interpretation dieser Aktualität anbot, als Echo auf eine Welle ungesühnter, rassistischer Polizeigewalt gegen Schwarze. Dabei wirkt die umherschweifende Musik kaum drei Jahre jünger als die des Vorgängers „Voodoo“, sie findet jedoch in den Texten eine neue Dringlichkeit.
Die Verwandlungen des Politischen, sowie das Verhandeln diverser Konzepte der Identität erstrahlen im Pop so hell wie seit Langem nicht. Auch wenn sie nicht mal mehr den Eindruck erwecken, Welten zu bewegen, war es für Pop sicher kein „Scheissjahr“- Vielmehr relativiert sich die Idee des Fetisch, denn sie verkürzt zu dramatisch und übersieht, daß auch Pop-Kultur weiterhin ihr Werk als etwas Materielles versteht. Neu mag sein, daß es überhaupt wieder Werke gibt, statt der männlich überhöhten Pose davon, welche seit den 90ern die Popwelt prägte. Wie Warpaint, die Smoke Fairies oder selbst eine Artschool-Band wie Fear of Men in kleinen, nachvollziehbaren Schritten an ihrer musikalischen Entwicklung arbeiten, erschient auf einmal wieder spannend, gar nicht konzeptuell überfrachtet, sondern dem schlichten Wunsch geschuldet, die eigene Musik noch besser hinzubekommen, sie weiterzuführen. Manchmal glücken in solchen Entwicklungen große Sprünge. Zwei durch das Net kursierende frühe Aufnahmen von Twigs zeugen als richtungslose Stilsuche ex negativo davon. Doch statt einen Masterplan auszuhecken, gewinnt Pop wohl doch meist durch Zufälle und Arbeit, wenn auch nur selten in jener Vollendung von Mr. Twin Sister. Darin scheint die erzwungene Modifikation des Bandnamens als präzise inszenierter Schritt in einem ausgeklügelten Masterplan. Doch dieser, von Anbeginn nicht wirklich beizukommenden Band gelang es einfach nur, dreamigen Gitarren Pop in eine Vision der Clubidentität zu transformieren und damit ein enorm anziehendes, aber jenseits von Factory-Records und 4AD der 80er meist zum Scheitern verurteiltes Projekt auf die Füsse zu stellen. Und es ist keine Referenzsuppe. Stattdessen erläutert Sängerin Andrea Estella, in ihrem jedes „i“ kunstvoll akzentuierenden Stil, die Essenz dessen, was Pop am Ende zu bieten hat:
Blow my sorrows away,
Warm my cold heart,
I want to recognize you but I don’t know who you are,
Is this romantic dreaming?
Is this just an illusion?
Is this romantic dreaming?
A memory?
I’ve forgotten everything.


Just get so high but maybe don’t stop your doubting.

Sonntag, 27. Januar 2013

Musikliste 2012 - Der späte Vogel singt die süssesten Lieder?

Und plötzlich war es soweit. Ich hätte es wohl 2008 ahnen sollen, vielleicht auch beobachten können, aber mir wurde nicht klar, was aus diesen, vielfach ironisch gebrochnenen, Spielereien mit 80er Stilistiken wachsen konnte. Daß hier wirklich eine neue Soundästhetik geschaffen wurde und in ihr dann sogar der Versuch, an den Begrenzungen des Ironischen vorbeizukommen. 1993 habe ich keine Jahrescharts notiert. Das Jahr erschien mir als eine Enttäuschung. Heute sehe ich in ihm die letzte größere Ansammlung von Alben, die mich wirklich begeisterten (Freestyle Fellowship, Caetano & Gil, Phish, Randy Travis, Plastikman). Aber eine Passivität, ein Suchen in Nischen zeichnet sich ab, welches dann alle Listen, die bald von mir anfragt und abgedruckt wurden, prägte. Nie hatte ich Probleme mit der Höchstzahl möglicher Nennungen. 2012 hatte ich sie. Kann sein, in Folge einer gewissen Euphorie. Ob mich "Commotus" in 19 Jahren noch so begeistert wie "Innercity griots", wird die Zeit zeigen. Am Ende erzählen solche Listen ja etwas über den Menschen, der sie erstellt, sein Denken und Leben und vielleicht auch etwas über die Zeit.

LP's

 













1. Lucrecia Dalt ‎– Commotus  (Human Ear Music)
Eine Western Gitarre träumt sich durch eine Wüstenlandschaft um der Perkussionsfigur eines verschleppten Boleros zu weichen. Dazu singt die verhallte Stimme von Vorsicht und Wagnis. Dann hält die Musik komplett inne, bis uns eine vorbeifliegende Fledermaus aufschreckt. Wir hören ihren Ultraschall-Ruf.
2. Boy Friend ‎– Egyptian Wrinkle  (Hell, Yes! Records)
Tragische Romantik. Hinter schwarzen Organza Vorhängen tuscheln Spitzenklöpplerinnen über die Leiden der Schönheit. Davon, daß es doch schmerzt, wenn der Falsche geht und davon, wie süß es sein könnte - aber da sehen wir, wie die Nadel den Finger sticht und verlieren uns. (Noch besser als Sleep∞Over)
3. Nite Jewel ‎– One Second of Love  (Secretly Canadian)
Ihre Sprache ist nun eine elektronische Version des sophisticateten Blue Eyed Souls der 80er: Isabelle Antena, Everything but the Girl oder Baisa klingen an. Der Gesang sucht keine großen Effekte, subtile Melancholie schimmert selbst aus den leichtfüssigsten Hooklines. Einst zeigte diese Musik dem New Wave Klischee die lange Nase.
4. Tops ‎– Tender Opposites  (Arbutus Records)
Versuch, sich mit diesen Stimmen, die nach falscher Drehzahl klingen, anzufreunden. Hier verfügt sie über genug Ausdruck, mit ihr zu wollen, dorthin, wo der ideenreiche Gitarren Pop seine melancholisch süßen Figuren zeichnet.
5. Andy Stott ‎– Luxury Problems  (Modern Love)
Deutlich mehr Struktur klingt auch nach deutlich mehr Arbeit. Deutlich mehr Struktur klingt auch nach deutlich mehr "Kopf ab!". Deutlich mehr Struktur klingt auch nach deutlich mehr Album. Deutlich mehr Struktur klingt auch nach Industrial R&B.
6. Paco Sala ‎– Ro-Me-Ro  (Digitalis Recordings)
Auf dieser Ebene der Verführung könnten die Gesten Schwindsucht meinen, wenn damit dann das 19. Jahrhundert in den HipHop einkehrt um einem Picknick im Freien beizuwohnen bei dem keinem der Beteiligten große Sprüche einfallen müssen.
7. The National Jazz Trio Of Scotland's Christmas Album  (Karaoke Kalk)
Völlig unmittelbar rührt der zarte Ernst dieser Interpretationen, selbst Stilmittel wie gesampeltes Hundebellen passen sich ein. Wie einem diese Lieder noch einmal gerettet werden macht sprachlos.
8. Alice Cohen ‎– Pink Keys  (Olde English Spelling Bee)
Hier nun die Lebenserfahrung vieler begangener Seitenstraßen in einer gänzlich neuen Idee dessen, was denn "Singer-Songwriter R&B Pop" sein könnte.
9. Holly Herndon ‎– Movement  (Rvng Intl.)
Die Künsterlin, die so schön atmet. Was wohl Anne Gillis dazu sagt?
10. Julia Holter ‎– Ekstasis  (Rvng Intl.)
Überlagernde Melodiefragmente, ähnlich denen der Minimal-Music, vollführen kleine Dramen in antiker Klarheit. Wohl wissend, daß das so erhabene Weiss antiker griechischer Skulpturen einst von bunten Farben bedeckt war, appliziert sie Schicht um Schicht auf ein avantgardistisch anmutendes Projekt und erhält so eine sehr persönliche Songwritermusik.
11. Dwight Yoakam ‎– 3 Pears  (Warner)
Welch Wunder, da wartet er nach sieben Jahren mit einem so frischen, wie Ideenreichen Werk auf. Potentielle Hits, nur wohl mit zu wenig quietschender Stadionrockgitarre um jugendliche Country Fans zu begeistern. Dafür aber voller Akzente (Bläserarrangements!), sensibler Kniffe (Beach Boys Harmonien!) und ausgefeiltem Songwriting.
12. Hans Süper ‎– Kölsche Jung  (GMO)
Die rheinische Seele des Bossa Nova.
13. THEESatisfaction ‎– awE naturalE  (Sub Pop)
Den Vertigo nach Vorne marschieren zu lassen, als Groove in einer etwas bessere Welt. Selbstbefreiung des Retro Nuevo Souls zu einer Musik der Zukunft.
14. Dr. John ‎– Locked Down  (Nonesuch)
Sind es Hunde, die da draußen heulen, oder die Stimmen der Kinder?
15. The Spaceape ‎– Xorcism  (self released)
Candomblé-Tänzer in einem mannshohen Maisfeld. Jemand hat Messer eingeschmuggelt.
16. White Car ‎– Everyday Grace  (Hippos in Tanks)
Ein langer Tunnel, einige Lichter flackern, eine Kurve ohne Ende, dann, sanfter Richtungswechsel, weiter und weiter ziehen die Abgase schwarze Linien auf weissgetünchte Wände. Natürlich aus Beton.
17. Django Django ‎– Django Django  (Because)
Neulich auf dem Campus und doch um einiges wunderbarer, als einfach nur klug und clever. Vielleicht ein Handreichen der Jam-Bands mit dem Zappelhipster, also von Campusecke zu Campusecke.
18. Eyeless In Gaza ‎– Butterfly Attitude  (Downwards)
Das Auffunkeln haben ihre Zeitgenossen komplett verlernt, im Schrecken des Alterns. Doch Altern hatten die Beiden stets eingeübt. Nun als Blues?


Singles/EP's











 


1. Fear Of Men ‎– Green Sea  (Sexbeat)
Push the splinter deeper - Underground in the vein - Too much blame to leave it all to chance - Antikes Drama als präzise gestaffelten Neuerfindung einer Creation 7". Revolving Paint Dreams ungelebter Triumph in Prometheus Schatten.
2. Jessie Ware ‎– Running  (PMR Records)
Modern Soul retten - a) elegantes Drama, Sades Verzweiflung.
 3. Les Demoniaques ‎– Teenage Lust  (True Panther Sounds)
Mit scharfer Klinge gesticktes Kissenmotiv einer fauchenden Katze.
4. Azealia Banks ‎– 1991 EP  (Interscope Records)
Wenn der Hit des vorletzten Jahres erst im November erklingt und sich zu einer Reminiszens an das Vougeing aufschwingt.
5. School of Seven Bells ‎– Love From A Stone (= B Seite) (Full Time Hobby)
Als R&B Band begeisternd. Oh, diese stillen Hits!
6. Twigs ‎– Twigs EP  (self released)
Als R&B einer neuen Zeit begeisternd. Oh, diese zarte Hipness.
7. Jessie Ware ‎– 110%  (PMR Records)
Modern Soul retten - b) architektonisches Tanzen über Breakbeats. 

8. Evy Jane ‎– Sayso  (King Deluxe)
Sie nennen es " experimental R&B".
9. Wild Nothing - Shadow  (Captured Tracks)
Eigentlich klang das ganze Album so elegant.
10. Tiers ‎– October  (bandcamp.com)
Hier warteten im letzten Jahr Blouse. Neugotisch.
11. Jessie Ware ‎– Strangest Feeling  (PMR Records)
Modern Soul retten - c) Das Schwelgen im Lichte aktueller Pop Ideen. 
12.  Zebra Katz ‎– Ima Read  (Jeffree's)
Englische Erziehung im HipHop.
13. Teleoptyk - Sacrifice  (Alfa Matrix)
1985er Technik mit neuen Maschinen. Ein älterer Herr blickt noch mal in die Runde und knipst die Cyber-Leuchte aus.
14. Red Stars Over Tokyo ‎– 4 song 12" (Hot Hair)
 Tormented war ein guter Versuch, den Geisterfilm neu zu beleben. Night of the Eagle ebenso. Warnungen wollten sie sein.
15. Jack Dice ‎– Block Motel  (Modern Love)
Hier stand im letzten Jahr Zomby. Diesmal mit mehr Nuancen.
16. Daugther ‎– Smother  (4AD)
Altes England, Deine Geschichten von versunkenen Seemännern lassen Dich nicht los.
17. Wild Nothing - Nowhere  (Captured Tracks)
Nochmal mit einem Rest alter Spröde.
18. Chairlift ‎– I Belong In Your Arms  (Young Turks)
Wenn das 90er Revival neue Texas bringt, mag ich auch deren Remixe. Kommende Stars.
19. Linea Aspera - Kinabalu  (Linea Aspera II / self released)
Doch, einmal, Alain Végas Tochter.
20. Martyn ‎– Hello Darkness  (Brainfeeder)
We are you in the future, so heisst ein Track, ein Mann hustet, es scheint ernst, der Bass setzt ein: Night after night. 


(Ziffern dienen der Orientierung und vielleicht später dem Wunsch nach Revision.)

Donnerstag, 5. Januar 2012

Letztes Jahr - Musikliste 2011

Was mir so auffiel und gefiel...

LPs:











1a. Dark Dark Dark - Wild go
Ich wünschte, sie würden sich an ihrer Pose verschlucken. Aber dann zweifele ich wieder, ob es überhaupt eine Pose ist. Mir scheint, sie haben etwas verstanden ohne dafür ihre Hütte rosa streichen zu müssen. Aber mir scheint auch, ich habe sie noch gar nicht verstanden.
1b. Kate Bush - 50 words for snow
Eigentlich noch zu früh... erst ein kleiner Schneefall und diese in Essenzen ausgespülte Version eines grossen Könnens bleibt mir rätselhaft. Ein wenig wie "Climate of hunter" aber ich weiß nicht, wem von beiden dies ein Kompliment ist.
3. Ada - Meine zarten Pfoten
Ich stelle mir vor, sie hat sieben Jahre an nichts anderem gearbeitet und es ist aufregend, die Platte auf diese Weise zu hören.
4. Merle Haggard - Working In Tennessee
Ein Rückschritt in meinen Ohren, von grossartig zu sehr gut. Eine Frechheit, dies zu behaupten.
5. Andy Stott - Passed me by
Doch etwas anderes was sich da anschleicht und kauernd im Gebüsch verharrt, ich dachte, ich kenne diese Wesen, aber sie geben wirklich keinen Ton von sich.
6. The Moth & The Mirror - Honestly, This World
Hurra! Versöhnt mit dem Schottischen Indierock, weil er endlich mal vom Boden aufschaut und dann solche Dinge beschreibt wie Seenlandschaften oder frei fliegende Schmetterlinge.
7. Zomby - Dedication
Geht auch auf 33, manchmal passen die Titel dann sogar besser. "Trauerarbeit", sagt der Künstler.
8. Enrico Rava Quintet - Tribe
Weit motivierter, als das unmotivierte Auftauchen inmitten poppigerer Unfreiheiten. Aber "Lebendige Melancholie" das würde man in dieser Welt auch gerne hinbekommen, das Geheimnis sind jedoch die Improvisationen - glaube ich.
9. Gal Costa - Recanto
Ein stilles Album voller Räume zwischen den Tönen um sich im Elektronischen mal wieder zu erfinden. Man könnte auch über formale Sensationen reden.
10. Soft Metals - Soft Metals
Die kleinen Variationen im Arrangement, die ich schätze und die Klarheit der Produktion, die mir zusagt, sprechen dafür, daß ich das Genre eigentlich gar nicht verstehe. Insofern wohl: ein überzeugendes Versagen.
11. Tinariwen - Tassili
Zugleich ein Schritt zum Weltruhm und ein Schritt in die Verschlossenheit. Will am Stück gehört sein, nicht über Kopfhörer, braucht Raum.


Singles:











1. Pional - We have been waiting for you
Leider wurde die Gitarrenversion nie auf Tonträger veröffentlicht. Wo bleibt die 7"?
2. Cass McCombs - County Line
Wieder The Band, hier eher schon Kopie, aber eine enorm feinfühlige Richard Manuel Gedächtniszeremonie.
3. Noel Gallagher's High Flying Birds - The Death Of You And Me
Was sich Supergrass' St.Petersburg bedient um Nach New Orleans zu ziehen und so um die Falsettöne kämpft ist mir gern Begleiter.
4. Zodiacs - Faraway Friend
Selten, daß mich Doppelter Retro begeistert, aber da klingt im Refrain was so Spooky wie das gesamte Unterfangen.
5. Die Vögel - Fratzengulasch
Etwas ganz Eigenes (ach, Loriot...) - das ist wahrlich so selten heutzutage und beeindruckt. Für Nachschlag bitte nicht wieder hinten anstellen!
6. Ron Deacon feat. The Kat - Electronic Music
Essay - und das gerade in dem Genre!
7. Friends - Friend Crush
Alter Trick.
8. Osunlade - Envision / Atsuta Jingu
R&B-House und eine perkussive Angelegenheit.
9. G.H. - Ground EP
Dieses Wesen wiegt sicher eine halbe Tonne, aber man hört es nicht, wenn es nach dem Mahl wieder im See verschwindet.
10. Jonny Trunk - Study Series 06: Animation and Interpretation
Hoffnung in den experimentellen Kurzfilmen der 60er.
11. The Soft Moon - Total decay (EP)
Weniger der Manchester 1979 Aspekt, als denn diese Drumbeats.
12. Blouse - Into Black / Firestarter
Etwas sehr Unanständiges, hoffentlich.
13. Sleep ∞ Over - Casual Diamond
Ähnlich Gothisch.
14. Mano le Tough - Stories EP (From the start)
Nach einigen Sekunden gibt es sich als analoger Automat aus, Töne die früher an einem Knöpfchen erdreht und heute über ein Pad gezogen werden.
15. Kassem Mosse - Enoha EP
Das kommt so langsam zu sich.
16. Various - Mu EP
Sich in den Weg stellen, dabei hübsch sein und nicht sehr nett.
17. Eugene McGuinness - Lion
Am Ende immer etwas Freches.

Ich sollte vielleicht das mit den Nummern lassen.

Montag, 3. Januar 2011

Letztes Jahr - Musikliste 2010

Diesmal zeitig, nachdem ich heute bemerkt habe, daß sie eh schon seit einiger Zeit an anderem Ort im Net zu sehen sind. 2010 Jahr des Abschieds von der Geschmackssicherheit oder: Lieber Spaß als Gähnen. OK, als alleiniges Motto kann das nun für die Charts auch nicht gelten. Es gab ein paar interessante Veröffentlichungen aus unerwarteten Ecken und auch mal wieder etwas Leben zu finden, aber ich befürchte, daß es dennoch keine der Nennungen in eine Top 20 des Jahres 1980 gebracht hätte.

LP's:
1. Merle Haggard - I am what I am
Die Inspiration im Alter, entspannter als Duke Ellington, ernster als John Hartford, diesen Beiden verwandt und auf diese Weise Country-Jazz in ungehörter neuer Größe. Überraschende Einsichten in die Musik.
2. Diverse - Bangs & Works Vol. 1 (A Chicago Footwork Compilation)
Rasselndes Schweben in extrem kurzen unweltlichen Episoden. Noch nie zuvor gehört. Überraschung des Jahres in der angewandten Elektronik.
3. 7 Walkers - 7 Walkers
Überraschung des Jahres der Alten und Mittelalten: Hebt die gesamte Jam-Band Bewegung auf ein neues Niveau.
4. Warpaint - The Fool
Überraschung des Jahres der Jungen. Wie sie sich Zeit lassen, explorieren, Harmonien finden und den Ettikettierungen entkommen! Lang nicht mehr so von einer Band so begeistert.
5. Julie Slick - Julie Slick
Instrumentalmusik im Sinne der SST Platten um 1988, weitergedacht und dank dieser Bassistin von gruseligen "ismen" befreit. Progressive Überraschung des Jahres.
Singles:
1. Sade - Soldier of Love
2. Factory Floor - A wooden Box
3. Eisenfunk - Pong
4. Javiera Mena - Hasta la Verdad
5. Rox - Rocksteady
6. Noisuf-X - Deutschland braucht Bewegung
7. Cults - Go outside
8. Gil Scott-Heron - Me and the Devil
9. Lady Gaga featuring Beyoncé - Telephone
10. Cologne Tape - Render
11. Effi Briest - Long Shadow
12. Reaper - Robuste Maschine
13. Karen Elson - The Ghost who walks
14. Zinc featuring Ms. Dynamite - Wile out
15. Sweet Billy Pilgrim - Future Perfect Tense

Ach, ja der Blick zurück: Ich finde, Bat for Lashes - Daniel war schon das tollste Stück 2009 und ich kann mich kaum mehr an eines der in meinen damaligen Single Charts genannten Deep House Stücke erinnern. Dieses Jahr fehlen sie ganz - bin ich das oder ist der einstige Glanz einer Routine gewichen? ... Mal sehen, was ich von dieser Liste in den kommenden Monate revidiere und verschiebe. Komische Sache, das mit den Listen, aber irgendwie erscheinen sie mir über die vielen Jahre hinweg als eine der besten Erinnerungsquellen, zugegeben, durchaus mit Tagebuchcharakter. Und ja, der Vergleich einzelner Jahre mag auch tatsächlich Einsichten in musikalische Entwicklungen aufzeigen die über die persönlichen Werturteile hinausgehen.

Samstag, 30. Januar 2010

Letztes Jahr - Musikliste

So etwas kann es auch pünktlicher geben. Aber ich habe auch heute jemandem ein frohes neues Jahr gewünscht. Und wo anderswo nur die Top 5 auftauchten, hier der ganzen Mühe Ergebnis.

LP:
1. Bob Dylan - Together through Life
Nochmaliger Wandel in diesem Rock'n'Roll vollends transzendierenden Spätwerk.
Robert Hunter bringt die Dinge auf den Punkt, das Coverphoto vollendet alles.

2. Jorma Kaukonen - River of Time
Lebendig, dreidimensional, wissend - auch ein nicht klein zu kriegendes Großtalent.
3. Prefab Sprout - Let's change the world with Music
Vielleicht nur die ersten beiden Stücke...
4. A Mountain of One - Institute of Joy
Außer ihnen schafft ja keiner interessante Songs. Toller artifizieller Schwulst.
5. Bob Bralove and Henry Kaiser - Ultraviolet Licorice
Infrared Roses revisited - atonale Kammermusik.
6. CéU - Vagarosa
Eine Idee wie es weiter gehen könnte. Enspannte Wut.
7. Bibio - Ambivalence Avenue
Eine weitere Idee, wie es weitergehen könnte. Hoffentlich kein Trick.
8. Tinariven - Imidiwan: Companions
Dieser Groove! Schwebend über Staub - mit geschminkten Gesichtern.
9. Bettina Köster - Queen of Noise
Queen of Survival - Flaneurmeisterwerk.
10. The Foreign Exchange - Leave it all behind
Als der Revival R&B auf Ivan Lins traf.

Single:
1. Whitney Houston - Million Dollar Bill
2. Ripperton - Prends-Moi Avec Toi
3. Grizzly Bear - While you wait for the others
4. Bsmnt City Anymle Kontrol - The Perfekt Sin
5. Bat for Lashes - Daniel
6. Feadz - Subiu, Desceu
7. Lady Gaga - Bad Romance
8. Rebolledo - Gurrero
9. Dubbyman Feat. Jus Ed* - Strange Days EP
10. Reggie Dokes - Spectacle Of Deepness EP
11. Patty Loveless - Busted
12. Margaret Dygas - Invisible Circles
13. Grizzly Bear - Two weeks
14. Patrick Cowley & Jorge Socarras - Soon
15. Classic Flowers - Whichflower