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Sonntag, 5. März 2017

Was zählt? Musiklisten? Das Jahr 2016

War es lediglich Lustlosigkeit? Andere Ereignisse, welche die Aufmerksamkeit beanspruchten? Oder doch Enttäuschung? Abgesehen von Esperanza Spaldings wagemutigem Schritt hin zu einem bizarren Entwurf eines edukativen Glam Jazz-Rock, den ich und meines Erachtens auch die Welt so noch nicht gehört haben, blieb doch wenig. Miranda Lamberts verletzte Reise an die Grenzen der Countrymusik und Lafawndahs strenge, fast brutale Arbeit an einem weltmusikalischen R&B mochte ich ebenfalls immer wieder auflegen. Alles was folgt, erfreute mich als Einzelwerk, die Rückkehr Crosbys zu seiner ersten Solo LP, Kacey Musgraves neuerliche Verfeinerung, diesmal weniger sozialpolitisch relevant, David Vireilles Avant-Jazz und Okzharps Avant-R&B, Soft Hairs ausgedehnter Orgasmus, Climas brasilianische Kammermusik, Weyes Blood, die sich von Neo-Folk Konventionen frei machte und die beiden Songs von Alben, für die ich mich gern hätte begeistern können - ein Jahr.
Ich mag hinzufügen, daß mich ein paar Comics begeisterten: 
Catherine Meurisse “Die Leichtigkeit”
Cyril Pedrosa “Jäger und Sammler”
Manuele Fior “d'Orsay Variationen”
Loo Hui Phang & Philippe Dupuy “Nuages et pluie"
Aber Comics vermögen nicht, was Musik kann, diese Intensität jenseits der Sprache, das unmittelbare Mitwippen, Schwelgen in Rhythmen und Melodien, die Hoffnung auf große Entwürfe, eine Zukunft, die ich immer noch in den Stücken hören möchte, wie einst in meiner Jugend. Mag sein, daß ich dafür zu alt bin, mag sein, daß Musik diese Visionen nicht mehr ohne weiteres liefern kann.


Esperanza Spalding - Emily’s D + Evolution (LP)

Miranda Lambert - The weight of these wings (3 LP)

La‎fawndah - Tan (EP)

David Crosby - Lighthouse (LP)

Kacey Musgraves - A very Kacey Christmas (LP)

David Virelles - Antenna (10" Mini LP)

Okzharp & Manthe Ribane -‎ Tell Your Vision (EP)

Soft Hair - Soft Hair (LP)

Clima - Monumento ao Soldado Desconhecido (LP)

Weyes Blood - Front row seat to earth (LP)

Blood Orange - E.V.P. (Song)

Warpaint - Whiteout (Single)


Montag, 3. Januar 2011

Letztes Jahr - Musikliste 2010

Diesmal zeitig, nachdem ich heute bemerkt habe, daß sie eh schon seit einiger Zeit an anderem Ort im Net zu sehen sind. 2010 Jahr des Abschieds von der Geschmackssicherheit oder: Lieber Spaß als Gähnen. OK, als alleiniges Motto kann das nun für die Charts auch nicht gelten. Es gab ein paar interessante Veröffentlichungen aus unerwarteten Ecken und auch mal wieder etwas Leben zu finden, aber ich befürchte, daß es dennoch keine der Nennungen in eine Top 20 des Jahres 1980 gebracht hätte.

LP's:
1. Merle Haggard - I am what I am
Die Inspiration im Alter, entspannter als Duke Ellington, ernster als John Hartford, diesen Beiden verwandt und auf diese Weise Country-Jazz in ungehörter neuer Größe. Überraschende Einsichten in die Musik.
2. Diverse - Bangs & Works Vol. 1 (A Chicago Footwork Compilation)
Rasselndes Schweben in extrem kurzen unweltlichen Episoden. Noch nie zuvor gehört. Überraschung des Jahres in der angewandten Elektronik.
3. 7 Walkers - 7 Walkers
Überraschung des Jahres der Alten und Mittelalten: Hebt die gesamte Jam-Band Bewegung auf ein neues Niveau.
4. Warpaint - The Fool
Überraschung des Jahres der Jungen. Wie sie sich Zeit lassen, explorieren, Harmonien finden und den Ettikettierungen entkommen! Lang nicht mehr so von einer Band so begeistert.
5. Julie Slick - Julie Slick
Instrumentalmusik im Sinne der SST Platten um 1988, weitergedacht und dank dieser Bassistin von gruseligen "ismen" befreit. Progressive Überraschung des Jahres.
Singles:
1. Sade - Soldier of Love
2. Factory Floor - A wooden Box
3. Eisenfunk - Pong
4. Javiera Mena - Hasta la Verdad
5. Rox - Rocksteady
6. Noisuf-X - Deutschland braucht Bewegung
7. Cults - Go outside
8. Gil Scott-Heron - Me and the Devil
9. Lady Gaga featuring Beyoncé - Telephone
10. Cologne Tape - Render
11. Effi Briest - Long Shadow
12. Reaper - Robuste Maschine
13. Karen Elson - The Ghost who walks
14. Zinc featuring Ms. Dynamite - Wile out
15. Sweet Billy Pilgrim - Future Perfect Tense

Ach, ja der Blick zurück: Ich finde, Bat for Lashes - Daniel war schon das tollste Stück 2009 und ich kann mich kaum mehr an eines der in meinen damaligen Single Charts genannten Deep House Stücke erinnern. Dieses Jahr fehlen sie ganz - bin ich das oder ist der einstige Glanz einer Routine gewichen? ... Mal sehen, was ich von dieser Liste in den kommenden Monate revidiere und verschiebe. Komische Sache, das mit den Listen, aber irgendwie erscheinen sie mir über die vielen Jahre hinweg als eine der besten Erinnerungsquellen, zugegeben, durchaus mit Tagebuchcharakter. Und ja, der Vergleich einzelner Jahre mag auch tatsächlich Einsichten in musikalische Entwicklungen aufzeigen die über die persönlichen Werturteile hinausgehen.